Jede Minute zählt



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Jede Minute zählt

Text: Anita Suter, Fotos: Reto Albertalli

Geht es um die Notfallversorgung im Spital, ist der Faktor Zeit wohl so entscheidend wie sonst kaum wo. Am Spitalverbund EOC in Lugano werden Blutproben von Drohnen ins Labor zur Analyse transportiert. Ein Zeitgewinn, der direkt den Patientinnen und Patienten zu Gute kommt.

Allabendlich surrt eine weisse Drohne zehn bis 15 Mal über die Dächer von Lugano. Mit an Bord: Blutproben aus dem Ospedale Italiano, auf dem Weg zur Analyse im Labor am Ospedale Civico. Die Strecke, die früher 45 Minuten mit dem Taxi in Anspruch nahm, dauert heute per Drohne nur noch 2,5 Minuten. Das EOC ist der erste Spitalbetrieb in der Schweiz, wenn nicht sogar weltweit, der seit zwei Jahren auf Drohnen setzt – und damit zusammen mit der Post Pionierarbeit leistet. Zu verdanken ist dies dem Aufeinandertreffen der richtigen Ideen, Bedürfnissen und visionären Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Oder wie es Spitaldirektor Luca Jelmoni formuliert: «Zuerst hatten wir ein Problem, danach eine Vision. Und nun gibt es eine Lösung.»

«Die Zeit, die wir durch den Drohnentransport einsparen, kommt direkt dem Patienten zu Gute», erklärt Dr. Emanuela Zamprogno, Leiterin der Notfallstation an den beiden Spitälern. Sie sei froh um die verkürzte Verbindungslinie, denn der Faktor Zeit stehe in ihrer Arbeit immer im Zentrum. Denn ob ein Patient wegen einer ausstehenden Blutanalyse zehn, zwanzig oder dreissig Minuten länger auf seine Behandlung warten müsse, mache einen grossen Unterschied. Für den betroffenen Patienten, aber auch für Jene, die nach ihm oder ihr an der Reihe sind. Seit die Drohne im Einsatz steht, hat Dr. Zamprogno Gewissheit, dass sie im Idealfall bereits innert 30 Minuten das Resultat der Analyse erhält. «Diese Vorhersehbarkeit ist fast genauso wichtig wie die Zeitersparnis an sich», erklärt sie.

Die Zeit kommt direkt dem Patienten zu Gute.

Dr. Emanuela Zamprogno, Leiterin der Notfallstation

Kommunikation hält die Ärztin für enorm wichtig. «Darum informiere ich meine Patienten immer darüber, dass ihre Blutprobe nun mit der Drohne ans Labor geschickt wird.» Manchmal kommen ihr Patient oder Angehörige gar zuvor. Die Leute wissen über die Drohnenlogistik an ‘ihrem’ Spital Bescheid und reagieren oft positiv und mit Neugier auf das Thema. Das Grundprinzip sei einfach und gelte für alle medizinischen Behandlungen; es gehe darum, so schnell wie möglich eine Lösung für ein Problem zu finden – dazu gehört auch die Drohne.

Die Drohne gehört auch zur Arbeit von Nathalie Dueri, medizintechnische Assistentin am Spitallabor. «In der Medizin wird alles immer schneller, auch die Analysemaschinen. Mit den Drohnen können wir nun zusätzlich Zeit einsparen.» «Wer im Labor arbeitet lebt von Innovationen, von Neuheiten und von neuen Analysen. Deswegen ist auch das Drohnenprojekt bei uns auf grossen Enthusiasmus gestossen», ergänzt Dr. Franco Keller, Leiter des EOLABs.

Zuerst hatten wir ein Problem, danach eine Vision. Und nun gibt es eine Lösung.

Luca Jelmoni, Spitaldirektor EOC

Ganz problemlos war die Abwendung vom Gewohnten hin zum Neuen und Innovativen nicht. Beispielsweise gab es Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Verpackung der Blutproben, die für den Transport angepasst werden musste. «Besonders das Personal der Notfallstation war anfangs verunsichert. Neu muss alles dreifach verpackt werden, um den Anforderungen für den Lufttransport zu genügen», erklärt Luca Jelmoni. An den Abläufen hat sich aber nichts geändert: Die Proben werden nach wie vor im Labor verpackt und abgeholt, nur die Art und Weise des Transports ist eine neue.

Lebensrettend ist das System. Die Drohne ist ein Teil davon.

Luca Jelmoni, Spitaldirektor EOC

Ebenfalls nicht zu unterschätzen für das Gelingen des Testbetriebs ist die Akzeptanz in der lokalen Bevölkerung. Von Anfang an hat man zusammen mit der Post Anwohnerinnen und Anwohner im Bereich der Flugroute sowie Behörden und Ämter mittels Flugblättern und Mitteilungen über das geplante Vorgehen und die Hintergründe informiert. «Die Leute wissen, dass es sich hier nicht um Freizeitdrohnen handelt, sondern die Drohnen für die Gesundheit von Menschen im Einsatz stehen», wirft Luca Jelmoni ein. «Daher nehmen sie auch die damit verbundene Lärmbelastung in Kauf – wie sie es bei den Rettungshelikoptern auch tun.» Den Vergleich weiterspinnen und die Drohne als Lebensretter bezeichnen, möchte er allerdings nicht. «Lebensrettend ist das System. Der Gesamtprozess. Die Drohne ist ein Teil davon.» «Ich habe von Anfang an viel Enthusiasmus für die Sache verspürt, wir haben gemeinsam Zeit in etwas Neues investiert. Das Spital, die Labors, der technische Dienst… und mit der Post haben wir eine grossartige Partnerin.»

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