Wo die Zukunft der Schweizer Wirtschaft wohnt.



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Hier wohnt die Zukunft der Schweizer Wirtschaft

Text: Kerrin Nausch, Fotos: Alessandra Leimer

Wo sieht der Forscher und Visionär Prof. Dr. Gian-Luca Bona die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Schweiz?

Es ist ein sonniger Morgen im Dübendorfer DFAB HOUSE, dem ersten grösstenteils mit Robotern und 3D-Druckern geplanten und gebauten bewohnten Haus der Welt. Das dreigeschossige Gebäude thront auf dem modularen Forschungs- und Innovationsgebäude NEST. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa erforscht und testet hier zusammen mit Eawag – dem Wasserforschungsinstitut der ETH – unter realen Bedingungen Technologien, Materialien und Systeme für den Bau von morgen.

Die Schweiz als Wirtschaftsstandort

Und das nicht ohne Grund: Die Schweiz ist einer der besten Wirtschaftsstandorte der Welt. Trotzdem hat Empa Direktor Gian-Luca Bona Bedenken, dass das auch in Zukunft so bleibt: «Im Moment haben wir auch dank des dualen Bildungssystems exzellent ausgebildete Leute. Wir haben die besten Voraussetzungen, stabile politische Verhältnisse und ein vernünftiges Rechtssystem, das uns Vertrauen und Sicherheit bietet. Trotzdem sind die globalen Verwerfungen zwischen den Grossmächten, der zunehmende Protektionismus, Zölle und der harte Schweizer Franken für eine kleine Volkswirtschaft wie die Schweiz schon eine Herausforderung.»

Obwohl wir Innovationsweltmeister sind, sollten wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.

Prof. Dr. Gian-Luca Bona

Dank einer Vielzahl von hervorragenden KMUs in den mechanischen und elektrischen Bereichen verfügt die Schweiz auch über eine sehr gute industrielle Basis. Aber gerade im High-Tech-Bereich ist ein kleines Land wie die Schweiz vom internationalen Austausch abhängig. Ein weiteres Thema beschäftigt Gian-Luca Bona: Das «Internet of Things» mit Features wie Predictive Maintenance (intelligente Systeme, die eine Störung schon erkennen, bevor sie auftritt) und Machine Learning (Maschinen, die eigenständig dazulernen) ist längst Realität. Das Zusammenwirken von intelligenter Maschine und intelligenter Software bietet ganz neue Möglichkeiten und Chancen für die Schweizer Industrie. Zugleich stellt sie das jedoch vor grosse Herausforderungen. Umfangreiches industrielles Know-how ist da. Aber Gian-Luca Bona warnt: «Obwohl wir Innovationsweltmeister sind, sollten wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern uns noch viel intensiver mit diesen zukünftigen Technologien beschäftigen.»

Doch um automatisierte Systeme wirklich weiter voranzutreiben, braucht es grosse Investitionen auf allen Ebenen. Für KMUs alleine ist es allerdings enorm schwierig, die beträchtlichen Investitionen zu tätigen, die nötig sind, um die Automatisierung weiter voranzutreiben. Um auch in Zukunft nicht an den Rand gedrängt zu werden, muss man zusammenwachsen, sich austauschen und Partnerschaften bilden – auch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

Das DFAB-HOUSE ist das beste Beispiel dafür, wie gut das funktionieren kann. Entstanden ist es in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Forschenden der ETH Zürich und einer grossen Anzahl Industriepartnern. Und für Hausherr Gian-Luca Bona der gelungene Beweis dafür, dass durch die Kooperation von Forschung und Wirtschaft Wegweisendes entsteht.

Zur Person

Prof. Dr. Gian-Luca Bona ist Direktor der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa sowie Professor für Photonik an den ETHs Zürich und Lausanne. Wir trafen ihn im von Robotern und 3D-Druckern fabrizierten DFAB House in Dübendorf zu einem Gespräch.